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Produkte und Hersteller · Kapitel 7

Goldanlage - Anlagegoldmünzen

Goldanlage - Anlagegoldmünzen

Eine Gruppe von Munzen der Lateinischen Munzunion

Zur Gruppe der Anlagegoldmünzen zählen jene mehrwertsteuerfreien Goldmünzen, deren Preisbildung in erster Linie vom aktuellen Weltmarktpreis des Goldes abhängt und nicht vom numismatischen Wert der Goldmünze. Gemäss der gesetzlichen Definition gilt als Anlagegoldmünze jede nach 1800 geprägte Goldmünze mit einem Feingehalt von mindestens 90%, sodass nicht nur moderne, also neu geprägte Goldmünzen zur Anlagekategorie gehören, sondern auch ältere Goldmünzen, die einst als Zahlungsmittel dienten.

Alte Münzen, die als Anlagegoldmünzen eingestuft werden

In Europa gehören vor allem das als Lajos-Gold oder Napoléon-Gold bekannte französische 20-Franken-Stück sowie das Schweizer 20-Franken-Stück (auch Vreneli oder Helvetia genannt) zu den beliebtesten alten Anlagegoldmünzen. Von diesen wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts so grosse Mengen geprägt, dass bis heute sehr viele davon auf dem Goldmarkt verfügbar sind. Ihre Prämie, also der Aufschlag gegenüber dem Goldweltmarktpreis, schwankt je nach Angebot und Nachfrage zwischen 3-5% und bis zu 10-15%.

Die Lateinische Münzunion war ein auf dem Goldstandard basierendes einheitliches europäisches Währungssystem, das nicht nur die französischen, belgischen und Schweizer 20-Franken-Stücke umfasste, sondern auch die sardisch-piemontesische und später die italienische 20-Lire-Münze sowie sogar die griechische Golddrachme. Auch die Österreichisch-Ungarische Monarchie prägte dem Standard der Lateinischen Münzunion entsprechende Münzen unter der Bezeichnung Forint bzw. Florin. Die erste französische 20-Franken-Münze liess noch Napoleon Bonaparte>) prägen. Die Münze enthielt bei einem Bruttogewicht von 6,4 Gramm 5,8 Gramm Feingold. Diesen Standard setzte die französische 20-Franken-Münze fort, und die Lateinische Münzunion vereinheitlichte ihn.

Eine Gruppe von Münzen der Lateinischen Münzunion

_Eine Gruppe von Münzen der Lateinischen Münzunion_

In Ungarn war während des Zweiten Weltkriegs und in der anschliessenden Währungskrise, die die grösste Inflation der Welt darstellte, für kurze Zeit die Goldhalskette und das als Lajos-Gold bezeichnete 20-Franken-Goldmünze Napoleons III. das Zahlungsmittel. Noch heute befinden sich viele Lajos-Goldmünzen im Besitz der Bevölkerung in Mitteleuropa.

In Österreich und Ungarn sind bis heute die einstigen Goldmünzen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie beliebt. Diese 10- und 20-Kronen-Stücke enthielten etwas mehr Gold als die 20-Franken-Stücke und waren daher nicht eins zu eins in französische Franken umtauschbar. Einige seltene Jahrgänge gehören bereits in den Bereich der Numismatik, doch die meisten 10- und 20-Kronen-Stücke sind nur wenig über dem Goldweltmarktpreis erhältlich und können daher als Anlagegoldmünzen betrachtet werden.

Ein Sonderfall ist die ungarische 100-Kronen-Goldmünze, deren Prägestempel mit dem Datum 1908 von der Ungarischen Nationalbank erneut verwendet wurde, um in den 1970er Jahren eine einmalige, grössere Menge zu prägen. So sind diese sogenannten "Artex"-100-Kronen-Stücke ebenfalls mit niedriger Prämie erhältlich, obwohl die originalen (nicht nachgeprägten) 100-Kronen-Stücke zu den seltenen numismatischen Münzen zählen und zum 3- bis 4-fachen Goldpreis gehandelt werden.

Weitere beliebte Goldmünzen Mitteleuropas

Auf dem mitteleuropäischen Goldmarkt tauchen unter den alten Münzen auch der britische Sovereign, der niederländische Gulden und die deutsche Goldmark in grösseren Mengen auf. Wenn ein Goldhändler grössere Mengen solcher alten Münzen aufkauft, versucht er, diese mit wenigen Prozent Aufschlag rasch weiterzuverkaufen, sodass diese Goldmünzen manchmal zu überraschend günstigen Prämien bei grösseren Goldhändlern erworben werden können.

Die beliebtesten Nachprägungen von Anlagegold aus Mitteleuropa

Insbesondere die Münze Österreich hat mit der Nachprägung alter Münzen beachtliche Erfolge erzielt. Die alten 1-Dukaten, 4-Dukaten, 4- und 8-Florin-Stücke sowie die 20-Kronen-Münzen finden im Gebiet der ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie in grosser Stückzahl Abnehmer, weshalb sie auch auf dem Sekundärmarkt mit relativ niedrigen Prämien gehandelt werden und als typische Anlagegoldmünzen gelten. Die Dukaten werden von der Münze Österreich in 986 Promille Feinheit (23 Karat Gold) mit der Jahreszahl 1915 geprägt und gehören zu den beliebtesten Nachprägungen unserer Zeit, insbesondere im ehemaligen Jugoslawien.

Moderne Anlagegoldmünzen

Die Reihe der modernen Anlagegoldmünzen eröffnete 1967 der Krugerrand. Die südafrikanische Münze war als echte Hartwährung konzipiert, mit der auch im Zahlungsverkehr bezahlt werden konnte. Beim Krugerrand folgte man der britischen Prägetradition: Die Münze hat 22 Karat und ist mit Kupfer legiert, um sie härter zu machen. Wie jede 1-Unzen-Anlagegoldmünze enthält auch der Krugerrand 31,103 Gramm Feingold. Die australische Perth Mint trat mit der Nugget- und später der Känguru-Münze, die kanadische Royal Mint mit der Maple-Leaf-Münze und die Münze Österreich mit der Wiener Philharmoniker Goldmünze in die Reihe der Anlagegoldmünzen-Emittenten ein. Die United States Mint führte als Neuauflage der Liberty-20-Dollar-Münze den American Eagle (auch Gold Eagle genannt) und anschliessend die American Buffalo Feingold-Anlagemünze auf dem Markt ein. So entstand jenes Sortiment an Anlagegold, das den Anlagegoldmünzenmarkt seither dominiert. Diese Münzen werden in so grossen Auflagen geprägt, dass ihr Preis ausser dem Goldpreis ausschliesslich durch die Prägekosten der Münzanstalt und die Händlermarge bestimmt wird. Die 1-Unzen-Goldmünzen enthalten exakt 31,103 Gramm Feingold; mit Ausnahme des Krugerrand und des Gold Eagle sind alle übrigen Münzen aus Feingold mit 4-Neuner-Feinheit.

Neben den 1-Unzen-Anlagegoldmünzen werden von allen grossen Marken auch kleinere Münzen geprägt. Die Anlagemünzenreihe beginnt bei 1/20 oder 1/10 Unze und endet bei 1 Unze. Die Känguru-Münze ist insofern eine Ausnahme, als von ihr auch eine 1.000-Gramm-Anlagegoldmünze geprägt wird.

Moderne Anlagegoldmünzen mit numismatischem Wert

Es gibt in kleinerer Auflage hergestellte Anlagegoldmünzen, deren starke weltweite Nachfrage zu einem erheblichen Prämienanstieg führt. Die beliebteste in dieser Kategorie ist die von der australischen Perth Mint hergestellte Lunar-Serie. Bisher sind 2 Serien der Lunar-Münzen erschienen, insgesamt 24 Stück (2 x 12), und es gibt Eine-Unze-Münzen, die auf dem Sekundärmarkt bereits mit 70% Prämie zum Goldpreis gehandelt werden (beispielsweise der Lunar II Tiger). Die Perth Mint gibt die Lunar-Münzen mit der üblichen Anlagegoldmünzen-Prämie aus, sodass es durchaus bemerkenswert ist, dass sich bei einigen sehr beliebten Goldmünzen eine derart hohe Prämie herausgebildet hat.

Die chinesische Panda-Serie gehört ebenfalls halb in diese Kategorie, mit dem Unterschied, dass neuerdings keine 31,103-Gramm-, sondern nur noch 30-Gramm-Pandas geprägt werden, wobei ihre Prägestättenprämie die der in grösster Auflage verkauften Anlagegoldmünzen um einige Prozentpunkte übersteigt. Bei den Panda-Münzen ab 50 Gramm und darüber, die in Geschenkboxen verkauft werden, ist der Aufschlag bereits ab Werk recht hoch, sodass sie eher dem Bereich der Numismatik als dem der Goldanlage zuzuordnen sind.

Akzeptierte Zahlungsarten: OTP Bank, K&H, Mastercard, Maestro, Visa, Apple Pay, Google Pay