Sicherheit und Lagerung · Kapitel 16
Erkennung von Falschgold. Methoden der Goldfälschung

Ultraschall-Goldbarrenprufer in Betrieb, der prazise Daten zur Echtheit und Qualitat von Goldbarren in Lagerumgebung liefert.
Wie kann man gefälschtes Gold erkennen, wie prüfen Goldhändler Anlagebarren und Anlagemünzen, und auf welche verdächtigen Anzeichen sollte man achten?
Gibt es gefälschtes Gold im Umlauf?
Wie alles Wertvolle wird auch Gold gefälscht. Dennoch befindet sich insgesamt wahrscheinlich deutlich weniger Falschgold im Umlauf als Falschgeld. Der Grund dafür ist, dass professionelle Goldhändler Instrumente und Prüfverfahren einsetzen, mit denen Fälschungen eindeutig erkannt werden können. Daher ist es äusserst wichtig, Gold nur aus vertrauenswürdigen Quellen zu erwerben.
Billiges Gold?
Wenn du nach den Suchbegriffen „falsches Gold" oder „fake gold" suchst, stosst du sofort auf Anzeigen, in denen beispielsweise ein vermeintlich 10 Gramm schweres „Goldplättchen" (mit einem Wert von ca. 450 Dollar) für nur wenige Dollar angeboten wird.
Wie wird Gold gefälscht?
Früher wurde Gold mit Kupferlegierungen gefälscht, heute hingegen hauptsächlich mit einem im Barren versteckten Wolframkern. Kupfer lässt sich aufgrund seiner abweichenden Dichte sehr leicht durch Wiegen und Volumenmessung erkennen. Für die Entdeckung eines Wolframkerns sind jedoch spezielle Instrumente (Ultraschall oder Magnetwaage) erforderlich. Da Wolfram die gleiche Dichte wie Gold aufweist, sind klassische Dichtemessgeräte dafür nicht geeignet.
Woher weiss ich, ob mein Gold echt ist?
Wenn du Gold aus einer vertrauenswurdigen Quelle beziehst, ist die Wahrscheinlichkeit, auf eine Falschung zu stossen, sehr gering. Du kannst eine zerstorungsfreie Prufung bei einem von dir als vertrauenswurdig eingestuften Goldhandler anfordern. Sollten dennoch Zweifel bestehen, muss eine zerstörende Prüfung durchgeführt werden. Dies kann das Anbohren des Goldbarrens sein, oder die drastischste Methode: das Einschmelzen. Eine offizielle Prüfung wird in Ungarn von der NEHITI mittels zerstörender Analyse durchgeführt, doch auch zahlreiche andere Unternehmen bieten Einschmelzungen an. Auch hierbei kann ein Goldhändler behilflich sein.
Zerstörungsfreie Prüfung von Goldbarren und Goldmünzen: Ultraschallverfahren
Die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Ultraschall beträgt in reinem Gold ca. 3.200 m/sec, während sie in Wolfram bei 5.500-6.000 m/sec liegt. Eine Eigenschaft von Ultraschall ist, dass er von festen Körpern reflektiert wird. Wenn im Gerät die Ultraschallgeschwindigkeit auf den für Gold typischen Wert eingestellt wird, z. B. 3.240 m/sec, kann mit dem von der gegenüberliegenden Seite des Goldbarrens reflektierten Ultraschall die Dicke des Barrens gemessen werden. Dieser Wert muss bei Raumtemperatur mit dem per Schieblehre messbaren Dickenwert übereinstimmen.

_Zerstörungsfreie Prüfung von Goldbarren und Goldmünzen: Echtheitsprüfung mit der Magnetwaage_
Wird ein geringeres Mass gemessen, enthält der Goldbarren einen festen, mit Gold nicht mischbaren Kern. Dabei handelt es sich vermutlich um einen Wolframkern, weshalb es in einem solchen Fall angebracht ist, den Goldbarren tief anzubohren oder einzuschmelzen. Wolfram mischt sich nicht mit Gold, da der Siedepunkt von Gold bei 2.970 °C liegt, während der Schmelzpunkt von Wolfram 3.422 °C beträgt. Wird Gold hingegen mit Kupfer legiert, kann 1 Kilogramm der Legierung um 40-50% grösser sein als ein 1-kg-Feingoldbarren, da die Dichte von Kupfer deutlich geringer ist als die von Gold.
Für die Prüfung von Good-Delivery-Goldbarren werden leistungsstärkere Ultraschallgeräte eingesetzt, mit denen eventuelle innere Einschlüsse und umgossene Wolframkerne auf dem Bildschirm dargestellt werden können.
Das klassische Anbohren von Goldbarren, das üblicherweise zur Materialprobenentnahme verwendet wird, eignet sich nicht zur Prüfung von mit Wolfram gefüllten Goldbarren, da es nur ca. 1-2 mm tief eindringt und die Goldfälscher den Wolframkern in der Regel mit mehreren Millimetern Gold umgiessen.
Zerstörungsfreie Prüfung von Goldbarren und Goldmünzen: Echtheitsprüfung mit der Magnetwaage
Ein neueres Verfahren als die Ultraschallmethode zur zerstörungsfreien Erkennung von Falschgold ist die Magnetwaage. Diese Methode basiert auf den unterschiedlichen magnetischen Eigenschaften von Feingold und Wolfram. Gold ist leicht diamagnetisch (es stösst den Magneten ab), während Wolfram paramagnetisch ist und den Magneten anzieht. Die Magnetwaage ist eine Waage, die einen starken Magneten auf der Oberseite enthält und damit auf Null tariert ist. Wird der Goldbarren oder die Goldmünze über das starke Magnetfeld gehalten, stösst das Gold den Magneten leicht ab, wodurch dieser die Waage etwas nach unten drückt und einen niedrigen, positiven Wert anzeigt. Für jedes Produkt gibt es einen charakteristischen Messbereich. Die Händler vergleichen das Produkt anhand einer eigens dafür entwickelten Tabelle. Enthält das Produkt Verunreinigungen oder paramagnetische Einschlüsse (z. B. Wolfram), zieht die Probe den Magneten an. Bei Legierungen ist diese Methode weniger zuverlässig.
Müssen Goldbarren punziert werden?
In der Europäischen Union müssen Produkte von auf der Goldliste geführten Herstellern nicht zusätzlich mit einer Punze versehen werden. Angesichts der oben beschriebenen Sachverhalte wäre eine Punzierung von Goldbarren ohnehin überflüssig, da Fälscher die Punze ebenso leicht auf die Goldbarren fälschen würden.
