Produkte und Hersteller · Kapitel 6
Die Besten Mitteleuropas - Die wichtigsten Goldhersteller und ihre Produkte

Erfolgsprodukte der Munze Osterreich: Wiener Philharmoniker Anlagegoldmunze, 250-, 500- und 1000-Gramm-Anlagegoldbarren
In Mitteleuropa, also auch in Ungarn, verfügen die Schweizer und deutschen Hersteller über den grössten Marktanteil bei Anlagegoldbarren.
Die Schweizer Argor-Fabrik und ihre Produkte
In der kleinen Stadt Mendrisio am Fusse der Schweizer Alpen befindet sich einer der weltweit grössten Goldbarrenhersteller: das Argor-Heraeus-Werk. Das ursprünglich als Familienunternehmen gegründete Unternehmen erhielt zunächst von der Schweizer UBS Bank, dann von der Commerzbank und der Münze Österreich Beteiligungen, bis 2017 der deutsche Industriekonzern Heraeus sämtliche Eigentümer aufkaufte und somit die gesamte Argor-Unternehmensgruppe in seinen Besitz überging.
Die Eigenmarken-Produktpalette von Argor umfasst das gesamte Grössenspektrum. Der Argor-Katalog von 2014 enthielt folgende Anlagegoldbarren-Produkte:

_Spezifikation der Argor-Goldbarren von 50 Gramm bis 12.500 Gramm Quelle: Argor - Conclude Zrt._

_Spezifikation der Argor-Goldplättchen von 1 Gramm bis 100 Gramm Quelle: Argor - Conclude Zrt._
Münze Österreich Goldbarren - Der regionale Marktführer
In Österreich und Ungarn sind die Goldbarren der Münze Österreich die marktführenden Produkte. Dies ergibt sich aus den Besonderheiten des österreichischen Goldmarktes sowie der geografischen Nähe zwischen Wien und Budapest. Auf dem österreichischen Goldmarkt spielen einige Grossbanken mit Unterstützung der österreichischen Nationalbank eine dominante Rolle. In den meisten Bankfilialen können Goldplättchen und Goldbarren mit dem Logo der Münze Österreich gekauft und verkauft werden.
Die Münze Österreich ist eine der ältesten Prägestätten Europas, eine Tochtergesellschaft der österreichischen Nationalbank und Herstellerin der weltberühmten Wiener Philharmoniker Anlagegoldmünzen. Allerdings befasst sich die Münze Österreich nicht selbst mit der Goldbarrenherstellung und lässt daher ihre Eigenmarken-Goldbarren von der Schweizer Argor-Heraeus-Fabrik fertigen. Die Goldplättchen und -barren der Münze Österreich tragen auch das Argor-Logo, sodass es abgesehen vom Design praktisch keinen Unterschied zwischen ihnen gibt, da sie auf derselben Produktionslinie wie die Argor-Eigenprodukte hergestellt werden.
Auch die Muttergesellschaft Heraeus lässt über ihre Tochtergesellschaft Argor Goldplättchen und Goldbarren fertigen. Im Grössenbereich von 2 bis 100 Gramm unterscheiden sich die Goldplättchen praktisch nur in der Farbe der Verpackung.

_Vergleich von 50-Gramm-Goldplättchen der Typen Argor, Münze Österreich und Heraeus Quelle: Goldtresor_
Ab den 250-Gramm-Goldbarren des Typs Münze Österreich gibt es jedoch einen wichtigen Unterschied: Während zu den Barren der Typen Argor und Heraeus werksseitig ein Zertifikat (eine Bescheinigung) mitgeliefert wird, ist dies bei den Barren des Typs Münze Österreich nicht der Fall. Dadurch gestalten sich Kauf, Verkauf und Lagerung der letzteren etwas unkomplizierter.

_Das Sortiment der Münze Österreich Goldbarren: 250- bis 1000-Gramm-Goldbarren Quelle: Goldtresor_
Die Kinebar-Technologie ist ein Patent von Argor und UBS. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um ein Hologramm auf der Oberfläche des Goldplättchens. Neben seiner hervorragenden Eignung als Sicherheitsmerkmal ist es vor allem deshalb beliebt, weil es die Darstellung besonderer Motive ermöglicht.

_Argor-Goldbarren mit Kinebar-Technologie Quelle: Argor_
Im folgenden Beispiel dient die Kinebar-Technologie eher der Verzierung der Goldplättchen-Oberfläche, weshalb sie gerne als Geschenk aus Feingold gekauft werden.

_Motive der Wiener Hofreitschule auf den von Argor gefertigten Goldplättchen der Münze Österreich Quelle: Goldtresor_
Argor, Münze Österreich und Heraeus sind Weltmarken
Die Goldbarren des Typs Münze Österreich weisen derzeit auf dem Sekundärmarkt in der mitteleuropäischen Region einen geringfügig, um wenige Promille, höheren Preis auf als die beiden Konkurrenten. Umgekehrt gilt das Gleiche: Möchte ein Anleger seinen Goldbarren in Übersee oder beispielsweise in der Schweiz verkaufen, würde er wahrscheinlich für den Argor-Barren einen etwas höheren Preis erzielen, während in Deutschland voraussichtlich für den Heraeus-Goldbarren der höchste Gegenwert zu erzielen wäre. Der Unterschied ist jedoch lediglich in Promille messbar.
Daher lässt sich feststellen, dass es sich für denjenigen, der seinen Goldbarren eher in Budapest, Wien oder etwa Bratislava verkaufen möchte, lohnt, in einen Münze Österreich Barren zu investieren. Es ist jedoch wichtig festzuhalten, dass der Goldkurs an einem einzigen Tag weitaus stärker schwankt als der Unterschied von wenigen Promille (Prämie) zwischen den drei Barrentypen.
In Budapest handeln alle Goldhändler mit Argor- sowie Münze Österreich-Goldbarren und kaufen diese auch an. Heraeus-Goldbarren sind bei weniger Händlern in der ungarischen Hauptstadt erhältlich.
Weitere beliebte Produkte Schweizer Goldbarrenhersteller in Mitteleuropa
Eine Innovation von Valcambi (und der deutschen ESG Edelmetall) ist die "Goldschokolade", offiziell CombiBar genannt. Dieser Goldbarren oder vielmehr diese Goldplatte erhielt seinen Spitznamen, weil er wie eine Tafel Schokolade in 1-Gramm-Einheiten gebrochen werden kann. Die Oberfläche jedes einzelnen Goldgramms ist mit einer Beschriftung versehen, sodass es auch einzeln handelbar ist. Der Markt hat positiv aufgenommen, dass man 50 Stück 1-Gramm-Goldplättchen auf einmal kaufen kann, denn derselbe Kauf grammweise wäre erheblich teurer. Dieser Goldbarrentyp wurde speziell für den Fall hergestellt, dass eine Währungskrise eintritt, wie sie zwischen den beiden Weltkriegen in Deutschland oder 1946 in Ungarn herrschte, sodass man mit physischem Grammgold für Waren bezahlen könnte.

_Valcambi CombiBar, umgangssprachlich "Goldschokolade" Quelle: Conclude_
Ein weiteres sehr beliebtes Valcambi-Produkt ist das 1-Unzen-Goldplättchen, das vor allem durch seinen günstigen Preis und sein ansprechendes Design überzeugt.

_1-Unzen-Goldplättchen von Valcambi Quelle: Goldtresor_
Der zu Recht weltberühmte Schweizer Hersteller Pamp hat als eines seiner beliebtesten Produkte das "glücksbringende" Fortuna-Plättchen im Sortiment.

_100-Gramm-Goldbarren "Fortuna" von Pamp Quelle: Pamp SA_
Der Gigant: 400-Unzen Good-Delivery-Goldbarren
Nur Grossanleger und Zentralbanken kaufen üblicherweise die grössten Goldbarren, die auch aus Filmen bekannten Goldziegel. Die durchschnittlich 12,5 kg schweren, nach dem Good-Delivery-Standard hergestellten Barren müssen einzeln gewogen und mit einem Gewichtsverzeichnis, das den Feingoldgehalt ausweist, gelagert werden.
Der Good-Delivery-Standard legt relativ weite Grenzen (350-430 Unzen Gewicht) für die grössten Goldbarren fest, doch die Hersteller produzieren am häufigsten 400-Unzen-Barren. Diese Goldbarren werden nur selten aus den Tresoren ausgeliefert.
Auch als Deckung für Goldkontoabrechnungen und Goldkredite zwischen Grosshändlern, Raffinerien und Zentralbanken werden typischerweise 400-Unzen-Good-Delivery-Barren in London oder anderen grossen Goldzentren gelagert.
Goldbarren mit nicht standardmässigem Gewicht
In einigen Ländern werden auch 100-Unzen-Goldbarren (3.110,3 Gramm) gegossen. Zudem existieren Barren, die nach anderen Masseinheiten gegossen werden, beispielsweise in der seit der Antike bis heute in Indien und Nepal gebräuchlichen Gewichtseinheit Tola (11,6639 Gramm) oder in der chinesischen Masseinheit Tael mit einem Gewicht von 37,5 Gramm.

_Von Argor hergestellter 10-Tola-Goldbarren Quelle: Argor.com_
Besondere Goldbarren und Goldbarren-Sammlungen
Seit der chinesischen Qing-Dynastie sind die bootsförmigen chinesischen Goldbarren (Yuanbao) beliebt, die auch heute noch anlässlich des chinesischen Neujahrs als festliches Geschenk gekauft werden.

_0,5 Tael schwerer, bootsförmiger, chinesischer Goldbarren (Yuanbao) Quelle: Bullion exchanges_
Goldbarren werden seit mehreren Tausend Jahren gegossen, sodass es Sammlungen gibt, die sich auf alte sowie industrielle Goldbarren spezialisiert haben. Sehr berühmt ist die Goldbarren-Sammlung der Rothschilds, die 2014 vom deutschen Unternehmen Degussa erworben wurde.
In Ungarn hergestellte Goldbarren
Nach 2004 fertigte Metalart im Auftrag der Ungarischen Münzanstalt (Magyar Pénzverő) und des BÁV Goldbarren, typischerweise in 3-Neuner-Feinheit. Die Ungarische Münzanstalt verkaufte grössere Mengen von 1-Unzen-Plättchen mit dem Motiv des Florentiner Guldens, während BÁV Goldbarren mit Porträts ungarischer historischer Persönlichkeiten vertrieb (z. B. 50- und 100-Gramm-Goldbarren mit dem Bildnis von König Matthias). Bei Metalart wurden nicht nur rechteckige, sondern auch dreieckige Halb- und Ein-Unzen-Goldplättchen hergestellt, das grösste war ein 1.000-Gramm-Goldbarren. Diese werden heute nicht mehr produziert, sodass man ihnen nur noch auf dem Sekundärmarkt begegnen kann, und das immer seltener. Ihr Preis bewegt sich auf dem Weltmarktpreis für Gold oder knapp darunter. Typischerweise werden diese Goldbarren von Goldschmieden für die Schmuckherstellung erworben. Es wäre sinnvoll, eine Sammlung dieser mitunter überraschend schönen Goldprodukte zusammenzustellen, bevor sie endgültig eingeschmolzen werden.
